Diese Seite bietet einen Überblick über die wichtigsten Informationen im Zusammenhang mit Kindern von Eltern mit einer Suchterkrankung, stellt praxisnahe Handlungsmöglichkeiten vor und verweist auf weiterführende Inhalte.

Was bedeutet es für ein Kind, wenn die Mutter oder der Vater eine Suchterkrankung hat? Hier erfahren Sie, wie sich eine Suchterkrankung der Eltern auf Kinder auswirken und was sie stärken und schützen kann.

Woran erkennen Sie, dass ein Kind und/ oder seine Eltern Unterstützung brauchen? Hier finden Sie Hinweise, die Ihnen helfen, Anzeichen von Belastung frühzeitig wahrzunehmen.

Wie können Sie das Thema ansprechen und das Kind unterstützen? Hier finden Sie konkrete Schritte, die Sie im Rahmen Ihrer beruflichen Rolle unternehmen können.

Wann sollte bei Kindern aus suchtbelasteten Familien die Kinderschutzbehörde einbezogen werden, und wie geht man dabei vor? Erfahren Sie, welche Rolle die Kindesschutzdienste und -behörden in solchen Situationen übernehmen.

Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen. Haben Sie noch eine andere Frage zu diesem Thema? Dann melden Sie sich hier.

Begrifflichkeiten:
Auf der folgenden Seite wird der problematische Konsum psychoaktiver Substanzen mit «problematischer Konsum» abgekürzt.
Unter Personen mit einer Suchterkrankung fallen Personen, unabhängig davon, ob eine Diagnose vorliegt oder nicht.

Sie sind Fachperson im Bereich:

Weshalb benötigen Kinder von Eltern mit Suchterkrankung besondere Beachtung?

In der Schweiz leben schätzungsweise 100’000 Kinder mit einem suchtbelasteten Elternteil. Diese Situation kann Beziehungen und den Familienzusammenhalt stark belasten, negative Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes haben und langfristig das Risiko für Verhaltensauffälligkeiten, psychische Erkrankungen oder eine eigene Abhängigkeit erhöhen. Erfahren Sie mehr über die möglichen Auswirkungen auf die Kinder.

Was kann die Suchterkrankung der Eltern bei Kindern auslösen?

Jedes Kind erlebt die Situation anders. Viele Kinder schweigen jedoch aus Loyalität gegenüber den Eltern oder aus Scham über das, was zu Hause passiert. Manche geben sich selbst die Schuld für die Suchterkrankung der Eltern und ziehen sich zurück, weil sie Angst haben, verurteilt zu werden. Um die Situation der Kinder besser zu verstehen, besuchen Sie diese Seite.

Wie beeinflusst der problematische Konsum die Elternschaft?

Auch wenn problematischer Konsum nicht zwangsläufig schwerwiegende Folgen für das Kind hat, kann es sein, dass Eltern den Bedürfnissen ihrer Kinder nicht angemessen gerecht werden und deren Entwicklung weniger gefördert wird. Dies zeigt sich z. B. in Schwierigkeiten der Eltern, bestimmte Alltagsaufgaben zu bewältigen, in einem Mangel an Zuneigung gegenüber den Kindern, in unvorhersehbaren und/oder inkonsequenten Reaktionen oder in gewalttätigem Verhalten. Klicken Sie hier, um mehr zu den Auswirkungen auf die Elternrolle zu erfahren.

Welche gemeinsamen und unterschiedlichen Herausforderungen haben Mütter und Väter mit problematischem Konsum?

Beide erfahren Stigmatisierung, doch die Elternschaft kann Motivation für Veränderung sein. Mütter übernehmen häufiger einen grösseren Teil der elterlichen Verantwortung, während die Beteiligung der Väter als Elternteil geringer zu sein scheint. Um Geschlechterstereotypen nicht zu verstärken, ist es wichtig, Mütter gezielt zu unterstützen und Väter aktiv in die Elternschaft einzubeziehen. Hier erfahren Sie mehr über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

Welche Massnahmen können Kinder stärken und die potenziellen Folgen abmildern oder verhindern?

Durch die Reduktion von Risikofaktoren, die Stärkung von Schutzfaktoren und die Förderung der Resilienz können die potenziellen Folgen für die Entwicklung des Kindes verringert werden. Risikofaktoren sind z.B. Schwierigkeiten der Eltern bei der Begleitung des Schulalltags und bei der Organisation der Freizeitgestaltung oder finanzielle Probleme, während Schutzfaktoren z.B. eine stabile Bezugsperson im nahen Umfeld für das Kind oder Freizeitaktivitäten sein können. Hier finden Sie weitere Informationen zu den Risiko- und Schutzfaktoren.

Welche Rolle spielen Schule, Umfeld und Bezugspersonen bei der Unterstützung betroffener Kinder?

Stabile Beziehungen auch ausserhalb der Familie sind eine wichtige Ressource für Kinder. Eine verlässliche Bezugsperson (z. B. aus Schule, Nachbarschaft oder Freizeit) kann Sicherheit geben, Aufmerksamkeit schenken, entlasten und Vertrauen fördern. Aus diesem Grund sollen auch diese Personen aktiv in den Unterstützungsprozess einbezogen werden. Weitere Informationen für Bezugspersonen finden Sie hier.

Welche Fragen sollte ich in der Beratung von Erwachsenen mit problematischem Konsum im Hinblick auf mögliche Kinder stellen?

Arbeiten Sie mit erwachsenen Personen zusammen, die einen problematischen Konsum aufweisen, ist es erforderlich systematisch die folgenden zwei Fragen zu stellen:

Haben Sie Kinder?

Leben Ihre Kinder bei Ihnen?

Diese Fragen sind nur der Anfang. Je nach Antwort muss das Gespräch anschliessend, wie in den nachfolgenden Kästen beschrieben, weitergeführt werden.

Welche ersten Schritte kann ich unternehmen, wenn ich erkannt habe, dass ich Eltern mit einer Suchterkrankung in der Behandlung habe?

Klären Sie die Familiensituation mit Eltern und Kind, indem Sie gemeinsam Risiko- und Schutzfaktoren erkennen, über Herausforderungen der Elternschaft sprechen, mögliche Belastungen der Kinder thematisieren und realistische Ziele festlegen. Nehmen Sie Ängste vor der ausserfamiliären Unterbringung ernst und erklären Sie, dass Massnahmen nur bei konkreter Gefährdung erfolgen. Welche konkreten Fragen Sie im Gespräch klären sollten, erfahren Sie hier.

Welche weiteren Massnahmen kann ich anschliessend ergreifen, um einen Elternteil mit einer Suchterkrankung zu unterstützen?

Klären Sie, wer die Familie bereits unterstützt: z. B. Fachpersonen, Beratungsstellen, aber auch Verwandte, Freunde oder Nachbarn. Beurteilen Sie, ob es sinnvoll ist, weitere Akteure einzubeziehen, und nehmen Sie bei Bedarf Kontakt mit ihnen auf. Prüfen Sie zudem, ob die vereinbarten Ziele von den Eltern erreicht wurden und sich die Situation verändert hat. Wie sie das Netzwerk identifizieren können, erfahren Sie hier.

Welche Schlüsselkompetenzen benötige ich als Fachpersonen für die Begleitung von Eltern mit einer Suchterkrankung?

Die Kompetenzen und Kenntnisse, über die Fachpersonen im Bereich Sucht bereits verfügen, sind ausreichend und angemessen. Dazu gehört unter anderem eine therapeutische Beziehung aufzubauen, freundlich und aufrichtig zu sein. Hilfreich sind zudem Elemente der motivierenden Gesprächsführung. Wie Sie diese Kompetenzen gezielt einsetzen können, erfahren Sie hier.

Worauf soll ich bei der Kommunikation mit Eltern in Bezug auf das Kind achten?

Führen Sie das Gespräch in einer Atmosphäre der Sorge und nicht der Anklage. Machen Sie deutlich, dass Sie und die Eltern ein gemeinsames Ziel verfolgen: das Wohl des Kindes. Erklären Sie sachlich, welche Beobachtungen Sie beunruhigen und dass diese Risikofaktoren für die Entwicklung des Kindes darstellen können. Je stärker das Kind belastet ist, desto dringlicher ist das Gespräch. Wie Sie es konkret vorbereiten, erfahren Sie hier.

Wie kann ich damit umgehen, wenn Eltern nicht kooperieren wollen?

Widerstand seitens der Eltern kann vorkommen, oft aus Angst vor einer ausserfamiliären Unterbringung. Unabhängig von der Dringlichkeit der Situation ist es wichtig, die Elternrolle wertzuschätzen und Vertrauen aufzubauen. In weniger dringlichen Situationen zählen auch kleine Fortschritte. Bei akuter Gefährdung des Kindes muss jedoch zusätzlich die Kindesschutzbehörde einbezogen werden. Wie Sie mit generell mit Gesprächssituationen umgehen können, erfahren Sie hier.

Wie kann ich mit den Kindern über ihre Situationen sprechen?

Bereits mit jüngeren Kindern können Sie offen über ihre Situation sprechen. Schaffen Sie Raum für ein Gespräch ohne Verhörcharakter und ohne die Eltern abzuwerten. Das Gespräch hilft dem Kind zu verstehen, dass es nicht allein ist. Da Kinder häufig in einen Loyalitätskonflikt gegenüber ihren Eltern geraten, ist es wichtig, diese auf die eine oder andere Weise einzubeziehen, um dem Kind zu vermitteln, dass es das Recht hat, frei zu sprechen. Altersgerechte Erklärungen finden Sie hier.

Welche Themen sind mit den Kindern zu besprechen?

Erklären Sie dem Kind, dass es nicht für das Verhalten der Eltern verantwortlich ist und dass Sucht eine Krankheit ist. Stärken Sie die Schutzfaktoren: Je nach Alter kann dies bedeuten, das Kind zu motivieren, auf sich selbst zu achten, die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen, eine Vertrauensperson zu haben und Freizeitaktivitäten wahrzunehmen. Zeigen Sie, dass es nicht allein ist und es die Situation bewältigen kann. Erstellen Sie zudem gemeinsam einen Notfallplan. Weitere praktische Ratschläge für die Arbeit mit betroffenen Kindern finden Sie hier.

Welche Hilfsmittel gibt es, um mit Kindern über die Situation zu sprechen?

Bücher und Filme können helfen, schwierige Themen kindgerecht anzusprechen und dem Kind einen sicheren Einstieg ins Gespräch zu ermöglichen. Für jüngere Kinder eignen sich beispielsweise Bilderbücher, die Sucht in einfacher Sprache erklären. Für ältere Kinder und Jugendliche gibt es Bücher, die diese Thematik aufgreifen und Erfahrungsberichte integrieren. Eine Auswahl an und Hilfsmitteln für die Praxis finden Sie hier.

Was kann ich tun, wenn ein Kind nicht über seine familiäre Situation sprechen möchte?

Nicht jedes Kind ist bereit, sofort über die Situation zu sprechen. Wichtig ist, dass Sie das Kind nicht drängen, aber signalisieren, dass Sie da sind. Dies kann sich durch einfache Worte («Wie geht es dir heute?») oder kleine Gesten (ihm die eigene Telefonnummer geben) zeigen, die ihm deutlich machen, dass Sie seine Situation kennen und sich dafür interessieren bzw. sich Gedanken darüber machen. Dieser Ansatz ermöglicht es, dem Kind Aufmerksamkeit zu schenken und eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen, was manchmal schon ausreicht, damit es sich besser fühlt. Weitere Hinweise wie Sie das Thema mit Kindern ansprechen finden Sie hier.

Ab wann soll die Kindesschutzbehörde involviert werden?

Bei der Einschätzung des Kindeswohls ist zunächst zu prüfen, ob sofortige Hilfe nötig ist (z. B. bei Misshandlung, Vernachlässigung oder Suizidgefahr). Liegt keine akute Gefahr vor, sollten Beobachtungen der Risikofaktoren schriftlich festgehalten werden. Zudem ist einzuschätzen, ob die Eltern zu einer Verhaltensänderung bereit sind. Einen strukturierten Überblick über das Vorgehen bei Kindeswohlgefährdung finden Sie hier.

Welche Anzeichen bei Kindern deuten auf belastende Lebensumstände hin?

Anzeichen für belastende Lebensumstände können körperliche Erscheinungen (z.B. Unter- oder Fehlernährung, chronische Müdigkeit, Entwicklungsverzögerungen), kognitive Erscheinungen (z.B. Konzentrations-, Schulprobleme) sowie Verhaltensauffälligkeiten (z.B. Aggressives Verhalten, Selbstverletzung, delinquentes Verhalten oder erschwerte soziale Integration) sein. Es kann jedoch vorkommen, dass keine Anzeichen erkennbar sind, weil sich das Kind übermässig an seine Situation angepasst hat. Dies sollte im Gespräch abgeklärt werden. Welche Signale ein schnelles Handeln erfordern lesen Sie hier.

Was kann ich tun, wenn ich mir nicht sicher bin, ob eine Gefährdung vorliegt?

Unabhängig davon, ob Sie sich sicher sind, dass eine Kindeswohlgefährdung vorliegt oder nicht, sollten Ihre Beobachtungen stets im Team und mit den Vorgesetzten besprochen werden. Zusätzlich bietet die Helpline von Kinderschutz Schweiz eine kostenlose und anonyme Beratung unter 058 433 33 99 an. Abhängig vom Kanton können auch regionsspezifische Kindesschutzbehörden um Rat gefragt werden.

Wie kommuniziere ich die Vermutung auf Kindeswohlgefährdung und die Meldung bei der Kindesschutzbehörde gegenüber den Eltern?

Teilen Sie Ihre Beobachtungen der Kindeswohlgefährdung mit den Eltern. Machen Sie ihnen jedoch keine Vorwürfe, sondern nehmen Sie die Eltern in ihrer Rolle ernst. Erklären Sie, dass Sie sich Sorgen um das Wohl des Kindes machen und daher eine Prüfung der Situation durch die Kindesschutzbehörde für sinnvoll erachten. Inwiefern Sie die Eltern in diesen Prozess einbeziehen sollen, erfahren Sie hier.

Wie kommuniziere ich die Vermutung auf Kindeswohlgefährdung und die Meldung bei der Kindesschutzbehörde gegenüber den Kindern?

Informieren Sie das Kind darüber, dass Sie seine Situation besser verstehen und gemeinsam mit den Eltern schauen möchten, wie es – wenn nötig – unterstützt werden kann. Erklären Sie ihm zudem das weitere Vorgehen. Informationen zum weiteren Vorgehen finden Sie hier.

Welche Massnahmen können durch die Kindesschutzbehörde vollzogen werden?

Die häufigste Massnahme ist die Beistandschaft: Eine Fachperson begleitet die Familie und unterstützt die Eltern im Alltag. Die Behörde kann den Eltern auch konkrete Auflagen machen, etwa die Verpflichtung, sozialpädagogische Familienbegleitung in Anspruch zu nehmen. Bei stärkerer Gefährdung kann sie zudem bestimmen, wo das Kind wohnt, oder den Eltern das Sorgerecht entziehen. Weitere Informationen zu den Massnahmen finden Sie hier.

Wo finde ich die wichtigsten Informationen zu diesem Thema?

Eine Übersicht über alle hier verwendeten Dokumente sowie über die im Rahmen des nationalen Programms für Kinder von Eltern mit einer Suchterkrankung erstellten Materialien inkl. Hilfsmittel finden Sie hier.

Informationen zum Thema Kindesschutz finden Sie hier.

Adressen von Fachstellen und Angeboten in der Suchthilfe finden Sie hier.

Adressen von Angeboten für Kinder von Eltern mit einer Suchterkrankung finden Sie hier.

Weshalb liegt es in meiner Verantwortung, auch auf die Situation der Kinder einzugehen?

Erfahrungsberichte zeigen, dass die Kinder oft unsichtbar bleiben. Indem Sie die Kinder erkennen, können Sie mögliche negative Folgen des problematischen Konsums der Eltern frühzeitig reduzieren oder sogar verhindern. Dies liegt in Ihrer Verantwortung, muss aber nicht bereits beim ersten Termin geschehen: Eine gute Beziehungsqualität ist dafür Voraussetzung. Sobald diese aufgebaut ist, sollten Fragen zur Elternschaft jedoch geklärt werden. In Notfällen muss sofort gehandelt werden.

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